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Die Braemar Gatherings – wo Männer in Röcken mit Baumstämmen werfen…

Beim Baumstammwerfen der Braemar Gatherings lassen die Schotten ihre Muskeln spielen. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Beim Baumstammwerfen der Braemar Gatherings lassen die Schotten ihre Muskeln spielen. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Ebenso melodische wie eindringliche Dudelsackklänge erfüllen das weite Rund des Princess Royal and Duke of Fife Memorial Parks inmitten der pittoresken Hügellandschaft von Deeside. Muskelbepackte Männer in farbenfrohen Kilts, Trägerhemden mit Schriftzug des Sponsors und Schuhen mit Spikes wirbeln wenige Meter von einander entfernt unförmige Steine und riesige Baumstämme durch die Luft, während direkt daneben zumeist junge Mädchen mit filigranen Bewegungen traditionelle Tänze aufführen.

Und beim „Tug of war“, dem Tauziehen, stemmen sich zwei konkurrierende Teams mit aller Kraft in den kurz geschorenen Rasen und ziehen tiefe Furchen in das satte Grün. Mit markerschütternden Schreien versuchen die Muskelprotze die Steine und Baumstämme zu neuen Rekordweiten zu treiben – und dies vor den Augen der königlichen Familie.

Die königliche Familie mit Queen Elizabeth II. an die Spitze gehört rgelmäßig zu den Ehrengästen in Braemar. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Die königliche Familie mit Queen Elizabeth II. an die Spitze gehört rgelmäßig zu den Ehrengästen in Braemar. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Ein Spektakel, das sich alljährlich am ersten Samstag im September wiederholt – so auch wieder am 5. September 2015 ab 9.30 Uhr. Das Royal Braemar Gathering, wie die Highland Games in dem gleichnamigen Dörfchen im schottischen Hochland genannt werden, locken Jahr für Jahr mehrere Zehntausend Besucher nach Aberdeenshire.

Kraft und Technik sind beim Throwing the Hammer gefragt. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Kraft und Technik sind beim Throwing the Hammer gefragt. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Im 11. Jahrhundert soll König Malcolm Canmore hier die ersten Braemar Games organisiert haben, um aus seinen treuen Gefolgsleuten und Dienern die besten Kuriere und Leibwächter zu ermitteln. Die Athleten von heute motivieren dagegen eher der Sportgeist, Pokale und zum Teil stattliche Siegerprämien oder symbolische Preise wie eine Flasche besten Highland Whiskys.

Seit 1832 werden die Gatherings ausgetragen. Ihre große Popularität erlangten sie jedoch 1848, als Königin Victoria erstmals bei den Highland Games zu Gast war. Seither besuchen Mitglieder der britischen Königsfamilie Jahr für Jahr während ihres traditionellen Sommerurlaubs im nahe gelegenen Balmoral Castle die Wettkämpfe, die im Volksmund auch „Oatmeal Olympics“ genannt werden.

Die Highland Games haben zwar ihren Ursprung in vergangenen Jahrhunderten, als die Hochlandbewohner ihre Stärken bei volkstümlichen Wettbewerben unter Beweis stellten, sind aber zu gleich ein stolzer Teil des kulturellen Erbes Schottlands. Ein Teil, der wohl nie an Popularität einbüßen wird. Neben den imposanten Aufmärschen von Dudelsackgruppen gehören vor allem die „Heavy Events“ zu den Hauptattraktionen.

Die Marching Bands sorgen mit ihren Dudelsackklängen für besondere Stimmung in Braemar. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Die Marching Bands sorgen mit ihren Dudelsackklängen für besondere Stimmung in Braemar. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Die Königsdisziplin ist das Baumstammwerfen. Beim so genannten „Tossing the Caber“ muss ein etwa sechs Meter langer, knapp 54 Kilogramm schwerer Baumstamm so geworfen werden, dass er sich im Halbkreis in der Luft dreht, auf der Spitze landet, sich überschlägt und dann in gerader Richtung vor dem Werfer zum Liegen kommt. Angeblich soll diese Sportart ihren Ursprung in der Art und Weise habe, wie die Schotten in früheren Jahrhunderten gefällte Baumstämme über Schluchten oder Bäche hinüber beförderten.

Zu einer Muskelspielerei in Kombination mit einer ausgefeilten Technik wird auch das „Throwing the Hammer“. Dabei wird eine runde Eisenkugel, die an einen Holzstiel befestigt ist, im hohen Bogen durch die Luft geschleudert, wobei die erzielte Höhe und nicht die Weite die Punkte bringt.

Fester Bestandteil der Highland Games in Braemar ist auch das Tauziehen. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Fester Bestandteil der Highland Games in Braemar ist auch das Tauziehen. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Auch beim „Putting the Stone“, dem Steinstoßen, sind die Kraftmeier des Hochlands gefordert, wenn es gilt, mit bis zu zehn Kilogramm schweren, zumeist unförmigen Steinen aus dem Flussbett größtmögliche Weiten zu erzielen.

Ungleich gefährlicher gestaltet sich hingegen das „Throwing a Weight“. Hierbei muss ein knapp 20 Kilogramm schweres Eisengewicht rücklings einarmig über eine Stange befördert werden. Und während das unförmige Gerät oft nur um Haaresbreite den Hinterkopf der Athleten verfehlt, hoffen vor allem die weiblichen Besucherinnen einen Blick unter den hoch wehenden Schottenrock werfen und eines der letzten großen Geheimnisse der Menschheit lüften zu können.

Auch schwere Gewichte werden in Braemar durch die Lüfte gewirbelt. (Foto Visit Britain)

Die Spiele in Braemar und anderswo in Schottland umfassen neben den Heavy Events auch Darbietungen von Highland-Tänzen und musikalische Wettstreite im Dudelsackspielen sowie leichtathletische Wettkämpfe wie Weitsprung und Rennen über verschiedene Distanzen. In Braemar stehen vor allem die Handicap-Rennen, bei denen beispielsweise Frauen einen Vorsprung erhalten, und der gefürchtete Hill Race hoch im Kurs.

Eine besondere Faszination üben ferner die verschiedenen Tanzwettbewerbe aus. Zu den bekanntesten Tänzen zählt neben dem „Seann Truibhas“ der „Highland Fling“, bei dem die anmutigen jungen Tänzerinnen die Arme hoch in die Luft halten und leichtfüßig auf den Fußspitzen über die Holzbalken schweben. Der charakteristische Tanz soll eher zufällig entstanden sein.

Der Dudelsack gehört wir die Wettkämpfe unzertrennlich zu den Braemar Gatherings. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Der Dudelsack gehört wir die Wettkämpfe unzertrennlich zu den Braemar Gatherings. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Denn, wenn man den Erzählungen glauben schenken darf, soll ein Großvater auf einem Dudelsack gespielt haben, während sein Enkel zu den Klängen der Musik tanzte, als plötzlich am Horizont die Silhouette von zwei Hirschen zu sehen war. Daraufhin soll der Greis den Enkel aufgefordert haben, beim Tanzen die Hände und Arme wie das Geweih der Hirsche zu formen.

Weit bekannt ist auch der legendäre Schwerttanz. Der „Sword Dance“ geht angeblich auf ein Ereignis im Jahre 1054 zurück, als König Malcolm Canmore den Stammesfürsten Macbeths erschlug, sein Schwert mit dem des Gefallenen kreuzte und einen Tanz über die Klingen vorführte. Seither galt das Berühren eines der Schwerter mit dem Fuß als schlechtes Omen für die nächste Schlacht.

Nirgendwo kommt "Otto-Normal-Verbraucher" der britischen Königsfamilie wohl so nahe wie in Braemar. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Nirgendwo kommt „Otto-Normal-Verbraucher“ der britischen Königsfamilie wohl so nahe wie in Braemar. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Ganz Hoch in der Gunst der Zuschauer, von denen viele eigens den Weg nach Braemar finden, um die Mitglieder der britischen Königsfamilie aus nächster Nähe zu sehen, stehen die Piping Competitions. Den ganzen Tag über messen sich Musiker mit ihren Dudelsäcken und präsentieren ein ungeahnt vielfältiges Repertoire, das von den „Pibrochs“, den klassischen Melodien, komponiert für Geburtstage und Hochzeiten, über Militärmärsche bis hin zu „Strathspey“ und „Reels“ (Tanzmusik) reicht.

Unumstrittener Höhepunkt des Royal Gatherings ist jedoch fraglos der Aufmarsch der professionellen Massed Pipes and Drums, der Dudelsackkapellen, die in regelmäßigen Abständen durch das Stadion marschieren und mit ihrer eindringlichen Musik einen ebenso kurzweiligen wie interessanten Tag in Deeside abrunden. Weitere Informationen unter www.braemargathering.org.

Nicht nur Kilt und fliegende Baumstämme machen den Reiz in Braemar aus. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Nicht nur Kilt und fliegende Baumstämme machen den Reiz in Braemar aus. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Buchtipp: Ulrike Katrin Peters, Karsten-Thilo Raab: Oh, diese Schotten! (ISBN 978-3-86686-806-9). Erhältlich ist die liebevoll augenzwinkernde Homage an die Schotten zum Preis von 7,90 Euro im Buchhandel oder direkt beim Conrad Stein Verlag


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