Von 22. Januar 2016 Mehr →

Centro de Portugal – Stippvisite im kulturellen Zentrum des Landes

Kader und Denkschmiede in Portugal: die alt-ehrwürdige Universität von Coimbra.

Kader und Denkschmiede in Portugal: die alt-ehrwürdige Universität von Coimbra.

Als wir in Coimbra, Portugals „Stadt der Liebe“ eintreffen, dämmert es bereits. Verwunschen leuchten die Laternen am Ufer des Mondego – des längsten Flusses in Portugal. Anmutig erhebt sich die Stadt über mehrere Terrassen; auf dem höchsten Stadtberg thront die altehrwürdige Universität. Sie ist eine der ältesten und heute renommiertesten weltweit.

Überaus prachtvoll: die barocke Bibliotheca Joanina.

Überaus prachtvoll: die barocke Bibliotheca Joanina.

Unser Ziel ist daher am nächsten Morgen, gleich nach dem ersten Bica, das Universitätsviertel. Es gehört seit 2013 zum UNESCO Weltkulturerbe und versprüht einen unglaublichen Charme: Die Universität wurde Ende des 13. Jahrhunderts in Lissabon gegründet. Und in den 1530er Jahren nach Coimbra in einen ehemaligen Königspalast umgesiedelt.

Im Glockenturm läuten auch heute noch die Glocken; durch die Porta Férrea – ein eisernes, mit Figuren geschmücktes Tor – betritt man den Innenhof der Anlage. Im Säulengang, der „Via Latina“, durften Studenten auf dem Weg zur Prüfung früher nur Lateinisch sprechen. Diese Zeiten sind zum Glück vorbei …

Zuvor hatten die Prüflinge oft in der „Bibliotheca Joanina“ gesessen, um sich vorzubereiten. Die barocke Bibliothek gehört heute zu den schönsten weltweit: Wir können uns kaum satt sehen an den opulent verzierten Räumen mit goldenen Wand-Schnitzereien, hölzernen Einlegearbeiten und Deckengemälden, die die Wissenschaft, die Kunst und die Weisheit allegorisch darstellen. Letztere wurden von den Malern Simões Ribeiro und Vicente Nunes angefertigt. In den Regalen aus exotischen Holzarten lagern Bücher aus dem 15. bis 19. Jahrhundert.

Die wildromantische Landschaft der Faia Bravo im Centro de Portugal.

Die wildromantische Landschaft der Faia Bravo im Centro de Portugal.

Als wir uns endlich losreißen können, wartet auf dem Weg hinunter in die Stadt ein weiterer Superlativ: die Sé Velha, das älteste romanische Bauwerk in Portugal. Sehenswert ist die reiche Innenausstattung der Kathedrale mit vielen kunstvollen Details. Die Altstadt Coimbras quillt über vor Antiquariaten, Cafés, Geschäften und Kneipen. So wie es sich für eine Universitätsstadt gehört – die übrigens von 1139 bis 1256 Portugals Hauptstadt war.

Warum Coimbra übrigens die „Stadt der Liebe“ genannt wird? Sie war Schauplatz der berühmtesten Liebesgeschichte in Portugal: Im 14. Jahrhundert liebte Prinz Pedro, der Sohn Königs Afonso IV., die Begleitdame seiner Frau – Inês.

Óbidos mit seiner prächtigen alten Stadtmauer.

Óbidos mit seiner prächtigen alten Stadtmauer.

Doch sein Vater stellte sich gegen diese Liaison. Und ließ die Unglückliche ermorden. Im Garten der „Quinta das Lágrimas“ – im „Landgut der Tränen“ – fließt der Legende nach noch immer eine Quelle, die aus Inês Tränen gespeist wird. Heute befindet sich an dem Platz ein Hotel mit einem Garten, der exotische Pflanzen aus aller Welt beherbergt.

Am nächsten Tag machen wir einen Ausflug ins 140 Kilomter südlich gelegene Óbidos. Die mittelalterliche Kleinstadt nahe des Atlantik ist komplett umschlossen von einer begehbaren Stadtmauer. Und die maurische Burg in Óbidos ist heute eine Pousada – ein Hotel in einer historischen Stätte. Wer im März nach Óbidos reist, gerät mitten hinein ins jährliche Schokoladenfestival – mit ausgefallenen Schokoladenkreationen von Einwohnern und Besuchern.

Lädt zum Baden und Surfen ein: die Lagoa de

Lädt zum Baden und Surfen ein: die Lagoa de Óbidos mit ihren herrlichen Stränden.

Beeindruckend finden wir das Projekt „Óbidos – literarische Stadt“: Dahinter verbirgt sich die staatliche Initiative, das Lesen und Schreiben in Form von Festivals oder öffentlichen Lesungen beispielsweise in Museen zu fördern.

Unser nächster Ausflug führt nach Viseu. Die Stadt liegt auf einem Hochplateau und ist für ihren hervorragenden Wein und ihre schönen Gärten bekannt. Ein Muss für Besucher ist der ehemalige Bischöfliche Palast mit dem Grão Vasco-Museum.

Überaus lohnenswert ist auch ein Abstecher ins pittoreske Viseu.

Überaus lohnenswert ist auch ein Abstecher ins pittoreske Viseu.

Hier sind portugiesische Werke zeitgenössischer Kunst ausgestellt. Das Museum trägt seinen Namen nach dem gleichnamigen portugiesischen Maler, der 1475 in Viseu geboren wurde. Wir setzen uns nach dem Besuch des Museums auf den historischen Platz Adro da Sé – und bewundern die malerische Bergkette der Serra do Caramulo, die sich im Hintergrund im Westen erhebt.

Die Region des Centro de Portugal ist reich an UNESCO-Welterbestätten. Das Kloster von Alcobaça, das Tempelritter-Kloster von Tomar und die prähistorischen Felszeichnungen im Tal Vale do Côa sind nur drei davon. Dieser Reichtum brachte der Region den Ruf ein, das kulturelle Zentrum Portugals zu sein.

Surfer finden in diesem Teil Portugals an der Atlantikküste ideale Bedingungen vor.

Surfer finden in diesem Teil Portugals an der Atlantikküste ideale Bedingungen vor.

Wo die Flüsse Côa und Douro zusammen fließen, findet sich eine wunderschöne Hügellandschaft – und eine Sammlung der bedeutendsten Höhlenmalereien der Welt. 1996 wurde ein archäologischer Park eingerichtet, um Besuchern die Wandmalereien aus der Altsteinzeit zugänglich zu machen. Drum herum erstreckt sich der Naturpark Faia Brava. Es ist das einzige private Naturreservat Portugals mit Weinreben und einer ursprünglichen, rauen Landschaft.

Wer zur Kultur ein sportliches Gegengewicht braucht, wird im Centro de Portugal ebenfalls mit Superlativen angelockt. Rund 120 Kilometer nördlich von Lissabon befindet sich beispielsweise der Surfspot Nazaré. Jährlich finden sich hier Spitzensurfer ein, um die mit über 20 Meter höchsten Wellen der Welt zu surfen. Der Spot liegt nördlich der Stadt Nazaré unterhalb der Festung São Miguel Acanjo. Durch den Nazaré Canyon, eine Unterwasserschlucht mit rund 5.000 Metern Tiefe, ergeben sich im Atlantik an dieser Stelle Wasserbewegungen, die riesige Brecher formen.

Traumhaft schön ist der Küstenabschnitt bei Nazare.

Traumhaft schön ist der Küstenabschnitt bei Nazare.

In Praia de Santa Cruz und in Peniche finden sich ebenfalls fabelhafte Surfspots. Und in Figueira da Foz lassen sich am Strand von Buarcos die längsten Wellen Europas surfen. Der poetische Name der Stadt lautet übersetzt „Feigenbaum an der Mündung“, da der Mondego hier ins Meer mündet.

An unserem letzten Abend sitzen wir bei einem Espumante in einem kleinen Restaurant. Und stoßen auf unsere Reise an. Die Berge der majestätischen Serra da Estrela – dem höchsten Gebirge des portugiesischen Festlandes – leuchten dazu als Bilderbuch-Kulisse im Abendrot.

Beliebter Surfspot in Portugal: die Praia da Nazare.

Beliebter Surfspot in Portugal: die Praia da Nazare.

Allgemeine Informationen: www.centerofportugal.com

Klima: Atlantisches Klima am Meer. Hier ist es im Sommer heiß, aber gut verträglich. Die Temperaturen liegen bei  27 bis 30 Grad Celsius. Im Landesinneren kann das Thermometer im August auf 40 Grad Celsius steigen.

Essen & Trinken: Ein typisches Gericht ist der Stockfisch – z.B. ganz pur, nur mit Knoblauch gegrillt.

Geheimnisumwittert: die historische Burg von Almourol. (Fotos Pura Communications)

Geheimnisumwittert: die historische Burg von Almourol. (Fotos Pura Communications)

Sehenswert: Universitätsstadt Coimbra, römische Stadt Conimbriga, die Städte Viseu und Castelo Branco, Königskloster von Batalha, Kloster von Alcobaça, Badeort Figueira da Foz, Gebirgszug Serra da Estrela, Naturpark Foz Côa.

Unbedingt machen: Die Region ist unterteilt in drei Gebiete: In der Beira Litoral an der Küste locken Strand-Ausflüge und Wassersport, in der Beira Alta im gebirgigen Landesinneren und in der Beira Baixa im Süden kann man wandern oder eine der Thermen besuchen, z.B. in São Pedro do Sul.


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