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Von 29. Mai 2015 Mehr →

Baku – gigantische Metropole am Kaspischen Meer

Eines der Wahrzeichen von Baku: der ungewöhnlich geformte Jungfrauenturm. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Eines der Wahrzeichen von Baku: der ungewöhnlich geformte Jungfrauenturm. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Die Chinesische Mauer lässt grüßen. Kilometerlang geht es auf dem Weg vom Heydar Aliyev International Airport in die Innenstadt von Baku, der pulsierenden Hauptstadt der Kaukasusrepublik Aserbaidschan, an hohen Mauern vorbei. Dahinter ducken sich moderne Häuser aller Größen und Formen. Die Vorliebe von Mauern rund um die Behausungen zeugt aus der Zeit, als hier noch alle Frauen Kopftücher trugen.

Hinter dem gemauerten Sichtschutz durften die holden Schönheiten dann auch mal die Haare ein wenig im Wind wehen lassen, ohne Gefahr zu laufen, dass jemand dies sehen konnte. Heute tragen nur wenige Frauen in Baku noch ein Kopftuch. Geblieben ist die Vorliebe für die Mauern. Diese garantieren ein Stück Privatsphäre inmitten der rasant wachsenden Millionenmetropole. Gleichzeitig dienen sie natürlich auch als Lärmschutz. Denn auf den Hauptverbindungsachsen rollt der Verkehr auf mindestens vier Spuren in alle Richtungen.

Und fast jeder scheint hier mit einem SUV unterwegs. Obschon die Sport Utility Vehicles, wie die Geländelimousinen offiziell heißen, gerne mal den einen oder anderen Liter Sprit mehr verbrauchen, verfügt Baku über die gefühlt größte Dichte an SUVs weltweit. Kein Wunder, bei Dieselpreisen von umgerechnet 60 Cent und Benzinpreisen von knapp 70 Cent.

Aber nicht nur wegen der großen Karren erliegen die Straßen chronisch dem Verkehrsinfarkt. Dafür ist ein nicht enden wollendes Hupenkonzert zu vernehmen. Irgendwie müssen sich die Fahrer ja im Schneckentempo die Zeit vertreiben. Denn in die U-Bahn will hier kaum jemand freiwillig umsteigen – und dies obwohl die Tickets umgerechnet gerade einmal 20 Cent kosten.

Blick auf die Flames Towers von der Uferpromenade aus. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Blick auf die Flames Towers von der Uferpromenade aus. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Überall ragen am Horizont Baukräne hoch auf und symbolisieren die allgegenwärtige Aufbruch-Stimmung im Lande. In einigen Teilen des Stadtgebiets herrscht ein Bauboom, wie man ihn sonst nur aus den Arabischen Emiraten kennt. Längst finden sich in der Kapitale einige moderne architektonische Landmarken wie das 2014 eröffnete Teppichmuseum, dessen Äußeres an einen riesigen, zusammengerollten Teppich erinnert. Oder das ganz in weiß gehaltene Heydar Aliyev Museum.

In dem von der iranisch-britischen Star-Architektin Zaha Hadid entworfenen Vorzeigebau nimmt der Personenkult um den im Jahre 2003 verstorbenen Ex-Präsidenten, der noch immer überall im Land auf riesigen Plakatwänden allgegenwärtig ist, fast schon skurrile Züge an. Neben dem Fuhrpark, dem Schreibtisch, den Armeeuniformen und Orden des noch immer hoch verehrten KPD-Parteisoldaten, der unter anderem lange Jahre als Erster Stellvertretender Ministerpräsident der Sowjetunion fungierte, sind so Dinge wie die Öllampe, die er Ende der 1990er Jahre für drei Jahre nutzte, zu sehen. Spötter sagen, nur eine Haarschuppe und der erst Kaugummi des vermeintlichen Übervaters der Nation würden noch in der Sammlung fehlen.

Und dann sind da noch die famosen Flame Towers, die ebenfalls von fast überall im Stadtgebiet zu sehen sind. Die drei Türme des 350-Millionen-Dollar-Vorzeigeobjektes, das optisch an riesige Flammen erinnert, ragen zwischen 140 und 190 Meter hoch in den Himmel. 10.000 LED-Lampen illuminieren allabendlich die 2013 eingeweihten Flammentürme, die längst zum Wahrzeichen für ein aufstrebendes Land geworden sind, das Feuer und Flamme für mehr europäische Nähe ist.

An einigen Stellen im Stadtgebiet lässt sich die Sowjet-Vergangenheit nicht leugnen. (Foto Karsten-Thilo Raab)

An einigen Stellen im Stadtgebiet lässt sich die Sowjet-Vergangenheit nicht leugnen. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Eigens für die ersten Europäischen Spiele, die vom 12. bis 28. Juni 2015 in Baku ausgetragen werden, entstanden ein neues olympisches Dorf und ein neues Olympiastadion. Über 6.000 Sportler aus 49 Nationen werden in 19 olympischen wie auch nicht-olympischen Disziplinen ihre Kräfte messen. Neben Judo, Fechten und Schwimmen werden die Athleten auch beim Strandfußball und Kanu um Medaillen kämpfen. Und wie schon beim Eurovision Song Contest 2012 will sich Aserbaidschan hier als perfekter Gastgeber erweisen, Darum wurde hier auch nicht gekleckert, sondern geklotzt.

Herausgeputzt glänzt schon lange die historische Altstadt, „Icheri Seher“ genannt, deren Stadtmauer auf das 12. Jahrhundert zurückdatiert wird. Dieser Kontrast zwischen jahrhundertealten Bauwerken und der Moderne des 21. Jahrhunderts gepaart mit einem Rest von Sowjetcharm ist es, der den Reiz der Metropole am Kaspischen Meer ausmacht.

Oldtimer im Heydar Aliyev Museum in Baku. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Oldtimer im Heydar Aliyev Museum in Baku. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Nicht von ungefähr steht die Altstadt als Weltkulturerbe komplett unter dem Schutz der UNESCO. Markanteste Bauwerke sind hier neben dem Palast der Khane von Schirwan die Lesgische Moschee (Lezgi Miski) sowie der eigenwillig geformte Jungfrauenturm (Qız Qalası), während sich rund um den Fountain Square mit seinen vielen Brunnen moderne Einkaufsstraßen mit ihren vielen, vielen Designerläden gruppieren.

Nur einen Steinwurf vom Jungfrauenturm und dem Einkaufsviertel entfernt, liegt das Kaspische Meer. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts entstand jenseits der Uferstraße eine parkähnliche Anlage zum Flanieren. Heute erwacht der prächtige „Baku Bulvar“ vor allem in den Abendstunden zum Leben. Auf der beliebten Flaniermeile, die eine Gesamtlänge von 26 Kilometern misst, befinden sich Cafés, Einkaufzentren und kleine Vergnügungsparks. Und wie überall in Baku treffen hier alte persische Traditionen, islamische Gepflogenheiten, sieben Jahrzehnte Sozialismus und der neu gewonnene Reichtum nach der Entdeckung des Erdöls im Kaspischen Meer gut sichtbar aufeinander.

Einer der vielen Brunnen am zentralen Fountain Square von Baku. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Einer der vielen Brunnen am zentralen Fountain Square von Baku. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Informationen: Aserbaidschan Tourismusbüro, c/o Aviareps Tourism GmbH, Josephspitalstraße 15, 80331 München, Telefon 089-552533836 , aserbaidschan@aviareps.com, www.azerbaijan.travel

Anreise: Lufthansa fliegt viermal wöchentlich direkt von Frankfurt am Main nach Baku. Turkish Airlines bieten von fast allen größeren deutschen Flughäfen tägliche Verbindungen via Istanbul nach Baku an. Der Preis für Hin- und Rückflug liegt im Mittel bei 600 Euro.

Zeitverschiebung: Im Sommer ist Aserbaidschan der mitteleuropäischen Zeit drei Stunden, im Winter vier Stunden voraus.

Sonnenaufgang über dem Kaspischen Meer in Baku. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Sonnenaufgang über dem Kaspischen Meer in Baku. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Währung: Zahlungsmittel ist der Manat (AZN). Ein Manat entspricht etwa einem Euro. Die Münzen tragen den Namen Qəpik (Gepik).

Sprache: Offizielle Landessprache ist Aserbaidschanisch. Russisch ist aufgrund der sowjetischen Vergangenheit noch immer weit verbreitet. Mit Englisch kommt man außerhalb von Baku eher schwer zurecht. Durch die Gastfreundschaft der Menschen können Reisende sich aber gut mit Händen und Füßen verständigen. Geschrieben wird in Anlehnung an das Türkische – in lateinischer Schrift. Zuvor war das kyrillische Alphabet in Benutzung. Durch die Transkription ins lateinische Alphabet gibt es oft verschiedene Schreibweisen, was gerade bei Ortsnamen manchmal zu Verwirrung führen kann.

Strom: Die Spannung beträgt 220/240 Volt. Europäische Standardstecker können problemlos verwendet werden.

Die historische Stadtmauer in Baku ist Teil des Weltkulturerbes. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Die historische Stadtmauer in Baku ist Teil des Weltkulturerbes. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Europaspiele: Alles rund um die Europaspiele unter www.baku2015.com.

Essen & Trinken: Sizvansah, Salatin Asgerova 86, Baku, AZ 1006, Telefon 00994-12-5950901. Traditionelle aserbaidschanische Küche serviert in einem alten Hamam. Abendlich wird hier live Mugham-Musik gespielt.

The Landmark, 90A Nizami Street, Baku, Telefon 00994-12-465-2000, www.landmarkhotelbaku.com. Restaurant und Sky-Bar im obersten Stock des Hochhauses eröffnen herrliche Blicke auf das Regierungsgebäude und die Flame Towers. Die Küche ist aserbaidschanisch mit einer internationalen Note.

Art Garden, 22 Asef Zeynalli, Icheri Sheher, Baku, AZ 1006, Telefon 00994-12-4921331 www.artgraup.az. Charmantes Restaurant in einer alten Karawanserei nur einen Steinwurf vom Jungfrauentrum entfernt.

Überall in Baku wird das Nationalgetränk Tee serviert. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Überall in Baku wird das Nationalgetränk Tee serviert. (Foto Karsten-Thilo Raab)

Zest Lifestyle Café, 674 Azadliq Square, Baku AZ1010, Telefon 00994-12-4998844. Das im JW Marriott Hotel gelegene Hotel bieten unter anderem eine exzellente vegetarische Küche an.

Tarihi Sultanahmet Koftecisi, Abdulkarim Alizade Street, Baku, Telefon 00994-12-4936193. Preisgünstige aserbaidianische Küche mit türkischem Einfluss.

Übernachten: Fairmont Baku, Flame Towers, 1A Mehdi Huseyn, Baku, AZ 1006, Telefon 00994-12-5654848, www.fairmont.com. Das Fünf-Sterne-Hotel in den Flame Towers bietet Zimmer ab 280 Euro an.

Jumeirah Bilgah Beach Hotel, 94 Gelebe Street, Bilgah Disrict, Baku, AZ 1122, Telefon 00994-12-5654000, www.jumeirah.com. Das direkt am Strand gelegene Fünf-Sterne-Haus bietet Doppelzimmer ab 220 Euro an. Eine Besonderheit ist hier der mit 54 Meter und 72.000 Lampen größte Kronleuchter der Welt.


Archiviert unter Topthema, Aserbaidschan, Asien
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