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Von 29. Januar 2018 Mehr →

Auf historischen Spuren durch Värmland

Värmland

Zauberhafter Ausblick in den Oslofjord von der Festung Oscarsborg auf der Insel Kaholmene. (Foto Ulla Wolanewitz)

Wo viel Wasser fließt, braucht es geschickte Hände und wachen Menschenverstand, um dieses Element zu bändigen und in nutzbare Energie umzuwandeln. Da sind die Norweger genau richtig in ihrem Element. Wer gerne mal wie Jesus übers Wasser laufen möchte, kann seine Balancefähigkeit im Flößer-Museum von Fetsund – auf 2,5 Kilometern – Wankelplanken erproben. Fetsund liegt direkt an Nordeuropas größtem Flussdelta. Dort, wo die Flüsse Nitelva, Leira und Glomma zu Svelle und Øyeren werden.

Lenseøl aus der heimischen Mikro-Brauerei von Fetsund (Norwegen). Das Getränk, das Flößer in Fluss und in Stimmung bringt. (Foto Ulla Wolanewitz)

Lenseøl aus der heimischen Mikro-Brauerei von Fetsund (Norwegen). Das Getränk, das Flößer in Fluss und in Stimmung bringt. (Foto Ulla Wolanewitz)

„Viele Fotografen kommen wegen dem wunderbaren Licht“, ist auch Anna Kristine Jahr Løine begeistert. Zur Stärkung empfiehlt die Museumsdirektorin zunächst einen delikaten Pike-Burger, ein Hechtbrötchen. Dazu ein Fläschchen Lenseøl, „Flößeröl“ aus der heimischen Mikrobrauerei. Da darf der idyllische Sonnenuntergang gerne Auftauchen, in dieser einmaligen Industriekulisse.

Einfach mal übers Wasser laufen…

Klappt´s noch mit dem Gleichgewicht? 2,5 Kilometer auf Wankelplanken über´s Wasser laufen - das Flößermuseum in Fetsund (das einzige in Norwegen) macht´s möglich.

Klappt´s noch mit dem Gleichgewicht? 2,5 Kilometer auf Wankelplanken übers Wasser laufen – das Flößermuseum in Fetsund (das einzige in Norwegen) macht´s möglich. (Foto Ulla Wolanewitz)

Bis 1985 war diese Anlage in Betrieb. Bereits im 16. Jahrhundert exportierte Norwegen sein Holz. Davon profitierte auch London, das nach dem großen Brand von 1666 zu 80 Prozent zerstört war. In späteren Jahrhunderten kam die Umwandlung von Wasserkraft zu Energie für die Sägewerke und Papierfabriken hinzu. Teilweise schwammen seinerzeit bis zu 100.000 Stämme von Tromsø nach Oslo, über 600 Kilometer weit.

Die Holzplanken am Flößermuseum in Fetsund laden zum Gang übers Wasser. (Foto Ulla Wolanewitz)

Auch wenn Norwegens flüssiges Gold – das Erdöl – in absehbarer Zeit zur Neige geht, so bleibt als facettenreicher Juwel die Natur. Damit dieses hoch geschätzte Schmuckstück so ungeschliffen bleibt, bieten viele Museen pädagogische Programme für Kinder an. „Hier lernen sie, wie man angelt, flößt und Eisen schmiedet“, sagt Kjetil Rukan. Der Biologe ist passionierter Fischer und leitet seit 20 Jahren das Aquarium im Norsk Skogmuseum, dem Waldmuseum in Elverum.

Toller Hecht, kapitaler Fang

Kjetil Rukan ist Biologe und Fischer aus Leidenschaft: 1,50 Meter lang und 10 Kilogramm schwer war der größte Hecht, den er bislang an der Angel hatte. (Foto Ulla Wolanewitz)

Sein bester Fang war ein Hecht, eineinhalb Meter lang und zehn Kilogramm schwer. In seinem „Revier“ gibt es eine Bachwerkstatt mit Kanälen und Becken. Dieser Flusspark bietet herrliche Aussichten auf den Glomma, der in den Oslofjord fließt. Wer den begeisterten Naturburschen durch seine Gefilde begleitet und seinen Erzählungen folgt, merkt schnell, dass der Funke überspringt.

 Im Skogmuseum in Elverum (Norwegen) lernen die Kinder wie aus Erde Eisenerz zu gewinnen ist und wie sich daraus Messerklingen schmieden lassen. (Foto Ulla Wolanewitz)

Im Skogmuseum in Elverum (Norwegen) lernen die Kinder wie aus Erde Eisenerz zu gewinnen ist und wie sich daraus Messerklingen schmieden lassen. (Foto Ulla Wolanewitz)

Apropos Funke: Über 1200 Grad braucht es, um Eisenerz zu schmelzen. Geduld heißt das Zauberwort. Wem es an den Thementagen gelingt, diese Tugend zu trainieren, der belohnt sich am Ende mit einem von Hand geschmiedeten Messer.

„Bläser-Sextett“ im „Glassverk“

Um feinstes Glas zu fabrizieren, braucht es Feuer, Wasser und kraftvolle Atemluft. Im „Glassverk“ von Magnor (Norwegen) zeigen die Meister ihres Fachs, wie´s gemacht wird. (Foto Ulla Wolanewitz)

Um feinstes Glas zu fabrizieren, braucht es ebenso Feuer, Wasser und kraftvolle Atemluft. In Magnor, nahe der schwedischen Grenze, lässt sich im gleichnamigen „Glassverk“ ein geschicktes „Bläser-Sextett“ gerne über die Schultern schauen. Was da wie im Handumdrehen entsteht, nachdem Sand, Soda und Kalk bei 1100 Grad geschmolzen sind, fordert allerdings Übung von bis zu zehn Jahren. Aber die Meister ihres Fachs kennen sich aus und setzen die kunsthandwerkliche Tradition des Unternehmens von 1896 mit großer Passion fort.

Im Värmland lässt sich auf historischen Spuren tief in industrielle Vergangenheit eintauchen. (Foto Ulla Wolanewitz)

Apropos: Kunsthandwerk. Da kann Dick Johannson auch mitreden. Die „Klässbols Linnenväveri“ befindet sich – eine Autostunde von Magnor entfernt – auf der anderen Seite der Grenze, im schönen Värmland von Schweden. Von seinem Vater erlernte er die Weberei von feinen Leinentextilien. Allerdings setzte die Verbreitung der Kunstfaser diesem edlen Material in den 1960er Jahren schwer zu. Die Nachfrage ging drastisch zurück. Erst als 1981 die schwedische Presse nach einem Messeauftritt titelte „Das ist Kulturerbe!“ gab es eine erfolgreiche Renaissance. Die „Linneväveri“ gewann als Kunden die schwedischen Botschaften in aller Welt hinzu. Auch zeigten die Norweger starkes Interesse an diesen einzigartigen Produkten.

Tischdecke mit königlicher Note

Dick Johannson lernte die Feinweberei von Leinentextilien von seinem Vater. Heute sitzt er bei der Vergabe vom Friedensnobelpreis mit der königlichen Familie und Ambassadeuren an der Tafel. (Foto Ulla Wolanewitz)

„Über 25 Jahre sitze ich mit der königlichen Familie, Ambassadeuren und berühmten Menschen zusammen“, lächelt Johannson bescheiden. Denn: Sein Unternehmen liefert seit 1989 hochwertige Tischwäsche für das Bankett im Stadshuset (Rathaus) von Stockholm, zu dem die Preisträger des Friedensnobelpreises geladen sind. Mit 500 Metern Tischdecke und 1350 Servietten, die einen halben Quadratmeter ausmachen, kommt da einiges zusammen. 30 schwedische Designer, darunter auch Johannsons Bruder, entwerfen die Muster und Pattern dazu.

Feinstes Leinen produziert die „Linnenväveri“ in Klässbols (Schweden). Diese edle Tischwäsche ziert auch das Bankett zum Friedensnobelpreis in Stockholm. (Foto Ulla Wolanewitz)

Nobelpreis? Knapp zwei Stunden entfernt von Klässbols liegt Karlskoga. Hier verbrachte Alfred Nobel, Erfinder des Dynamits und Stifter des Friedenspreises, seine letzten Jahre. Sein Domizil, inklusive Originallabor, ist heute als Museum öffentlich zugänglich.

Gedenken an Selma Lagerlöf

Der Erfinder des Dynamits, Alfred Novel, erwartet seine Gäste im Originallabor in Karlskoga – natürlich nur als Attrappe. (Foto Ulla Wolanewitz)

Als erste Frau erhielt Selma Lagerlöf 1909 den Nobelpreis für Literatur. Die Schwedin erlangte zudem Weltberühmheit mit ihrem kleinen Nils Holgersson, den sie mit den Wildgänsen auf die wunderbare Reise schickte. Ihre Kindheit verbrachte sie im värmländischen Sunne – auf dem Gut Mårbacka. Allerdings fiel das Anwesen ihrer Eltern 1888 einer Versteigerung zum Opfer. Ihr Erfolg und die „noblen“ Kronen ermöglichten den Rückkauf.

„Wir haben keine Neuigkeiten zu erzählen. Nur das, was alt ist und in Vergessenheit gerät!“ so steht´s geschrieben am Västanå Theater von Sunne (Schweden). In den Sommermonaten, gibt es hier Novellen von Selma Lagerlöf zu sehen. (Foto Ulla Wolanewitz)

„Wir haben keine Neuigkeiten zu erzählen. Nur das, was alt ist und in Vergessenheit gerät!“. So steht´s geschrieben über dem Eingang vom Västanå Theater von Sunne. Als Hommage an die „Grande Dame“ sind hier in den Sommermonaten Selmas Novellen, Shakespeare und Ibsen zu sehen. Jährlich kommen 26.000 Zuschauer zu den Inszenierungen im umgebauten Rinderstall. Der bester Beweis dafür, dass nicht immer das „Neueste“ den höchsten Unterhaltungswert bietet. Vielleicht ist sogar eher das Gegenteil.

Wissenswertes zu Värmland in Kurzform

Gut Mårbacka im värmländischen Sunne (Schweden): Hier lebte und schrieb Selma Lagerlöf – die erste Frau, die 1909 den Friedensnobelpreis für Literatur erhielt. (Foto Ulla Wolanewitz)

Allgemeine Informationen: www.visitnorway.com

Essen & Trinken: Skaslien Guesthouse in Kirkenær. Unbedingt probieren sollte man das traumhaft zarte Elchfleisch mit frischen Pilzen und Beeren

Übernachten: Scandic Elgstua in Elverum, DZ um 100 Euro inklusive  Frühstück.  Das Restaurant im Scandic Elgstua bietet leckere Wildspezialitäten,

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