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Abtauchen auf Zollverein: Schwimmspaß im Weltkulturerbe der UNESCO

Pack die Badehose ein: Das Werksschwimmbad auf Zollverein öffnet kostenfrei vom 3. August bis 15. September. (Foto: Rainer Halama)

Pack die Badehose ein: Das Werksschwimmbad auf Zollverein öffnet kostenfrei vom 15. Juli bis 3. September. (Foto: Rainer Halama)

Im Vergleich zur Größe anderer Freibäder wirkt es eher wie eine Fußbadewanne für Riesen. Auch für Zwerge dürfte das zwölf Meter lange und fünf Meter breite Becken durchaus wie ein Mini-Ozean anmuten. Für alle anderen haben die gerade einmal 130 Kubikmeter Wasser des türkisblauen Pools mehr das Format einer Riesenpfütze – noch dazu mit 2,40 Metern Tiefgang. Und doch genießt das ungewöhnliche Freibad im Norden von Essen, der Europäischen Kulturhauptstadt des Jahres 2010, längst Kultstatus weit über die Grenzen des Ruhrgebiets hinaus. Denn es ist wohl das einzige Schwimmbad, das Teil eines UNESCO Weltkulturerbes ist. Zudem steht das kühle Nass in der ehemaligen Kokerei der Zeche Zollverein während der sechswöchigen Badesaison vom 15. Juli bis 3. September täglich zwischen 12 und 20 Uhr entgeltfrei den Badegästen offen. 

Schwimmspaß im Weltkulturerbe ermöglichen die Container des Werksschwimmbeckens. (Foto Rainer Halama)

Schwimmspaß im Weltkulturerbe ermöglichen die Container des Werksschwimmbeckens. (Foto Rainer Halama)

Das kleine Schwimmbad besticht aber nicht nur durch die Lage inmitten einer Industriekathedrale von Weltruf, sondern erweist sich tatsächlich als ein Kunstwerk mit Nutzwert für die Besucher. Die beiden Frankfurter Künstler Dirk Paschke und Daniel Milohnic hatten das aus zwei zusammengeschweißten Überseecontainern bestehende Werksschwimmbad im Sommer 2001 im Rahmen des Kunstprojektes „Kokerei Zollverein – Zeitgenössische Kunst und Kritik“ als Skulptur am Kopf der Batterie 9 der 1993 stillgelegten Kokerei Zollverein errichtet. Ursprünglich sollte die ungewöhnliche Installation nach Ende der Ausstellung „Arbeit, Essen, Angst“ wieder abgebaut werden. Doch die große Resonanz der Besucher führte dazu, dass das ungewöhnliche Schwimmbad erhalten blieb und seither immer im Sommer für einige Wochen öffnet. Motto: „Big Brother lässt grüßen“.

Der Unterschied zum TV-Dauerbrenner ist, dass die Leute hier nicht in den Container einziehen, sondern herein springen und diesen auch jederzeit und so oft wieder verlassen können, wie sie möchten. Zudem sind keine Filmkameras auf sie gerichtet. Gleich wohl stehen die Container-Insassen, sprich die Schwimmer, unter Beobachtung. Und zwar einerseits von den ausgebildeten Bademeistern, andererseits durch die kleinen Glasscheiben, die unterhalb der Wasseroberfläche in die Poolwand eingelassen sind.

Das Schwimmbad auf Zollverein gehört zweifelsohne zu den ungewöhnlichsten Badeplätzen in Deutschland. (Foto: Rainer Halama)

Das Schwimmbad auf Zollverein gehört zweifelsohne zu den ungewöhnlichsten Badeplätzen in Deutschland. (Foto: Rainer Halama)

Die Container sind übrigens von einem Holzgestell eingefasst, das gleichzeitig Liegefläche für die Besucher ist. Von hier bietet sich ein herrlicher Blick auf die zum Teil rostigen Relikte der einstigen Industrieanlage. Wo bis vor 20 Jahren die Malocher Temperaturen von bis zu 1.000 Grad Celsius ausgesetzt waren, lässt sich heute entspannt plantschen. Ein Ambiente, von dem die Koker vermutlich noch nicht einmal zu träumen gewagt haben.

Informationen: Stiftung Zollverein, Bullmannaue 11, 45327 Essen, Telefon 0201-24681121, www.zollverein.de

Anreise: Vom Essener Hauptbahnhof ist die Zeche Zollverein bequem mit der Straßenbahnlinie 107 Richtung Gelsenkirchen zu erreichen, Haltepunkt Zeche Zollverein an der Gelsenkirchener Straße.

Öffnungszeiten: 15. Juli bis 3. September täglich 12 bis 20 Uhr. (Bei schlechtem Wetter geschlossen) Der Eintritt ist frei.

Buchtipps: Ulrike Katrin Peters, Karsten-Thilo Raab: 99 x Ruhrgebiet wie Sie es noch nicht kennen, Bruckmann Verlag, ISBN 978-3-7654-6538-3. Erhältlich ist der Titel für 12,99 Euro im Buchhandel oder direkt beim Bruckmann Verlag

Ulrike Katrin Peters, Karsten-Thilo Raab: Ruhrgebiet für eine Hand voll Euro, Westflügel Verlag,  ISBN 978-3-939408-01-7. Erhältlich ist das Buch zum Preis von 13,90 Euro im Buchhandel oder direkt beim Verlag. 


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